Compad®- das Schweizer Taschenmesser des Lernens

Was ist Compad®?

Das Wort COMPAD ist eigentlich eine Abkürzung, die sich aus den Begriffen „Communi-cation“ und „Pad“ ableitet, es ist also eine „Kommunikations- Unterlage“ (Streit, 2008). Man könnte auch sagen, dass es darum geht, als Gruppe über etwas zu sprechen, das auf einer Unterlage, einem Pad, modellhaft dargestellt ist. Dabei kann die Präsentation neben dem eigentlichen Darstellungsprozess, in welchem neue Ideen und Lösungsansätze entstehen können, ein weiteres Qualitätsmerkmals der Anwendung sein.

Entwicklung von Compad®

Compad wurde 1997 von Prof. Dr. Manfred Künzel, Leiter der Hochschuldidaktik der Uni-versität Bern und seinem Team aus den theoretischen Ansätzen des Konstruktivismus und dem kooperativen Lernen entwickelt. Die fortlaufende wissenschaftliche Entwick-lungsarbeit mit verschiedenen Zielgruppen wie Lernende ab Primarschulalter, Studenten-ten, Lehrlinge, aber auch in der sekundären und tertiären Bildung hat dazu beigetragen, dass sich das Lernmaterial auch für die Darstellung komplexer Situationen sehr gut eig-net (vgl. Streit, 2008). Ursprünglich bestand Compad aus einem grossen Sammelsurium an Materialen mit dem Lerninhalte, Situationen aus dem Zusammenleben, Projektskizzen und ähnliches dargestellt wurden. Schon bald stellte sich heraus, dass einige Gegenstän-de extrem häufig, einige dafür extrem selten eingesetzt wurden. In empirischer Forschung haben Prof. Dr. Manfred Künzel und sein Team herauskristallisiert welches diese waren: Nämlich jene, deren Bedeutungszuweisung am flexibelsten möglich waren. Aus diesem Grund und auch aufgrund des besseren Handlings begann Künzel, den Compad-Inhalt zu redimensionieren, bis er auf seinen heutigen Inhalt verkleinert wurde.

Der Compad-Kasten

Ca. 30 farbige Spielfiguren, die in den vier Farben Rot, Grün, Gelb, Blau vorhanden sind. Damit können z.B. unterschiedliche Gruppierungen dargestellt werden.

 

Je 5 Quadrate, Rechtecke, Dächer und Würfel sowie je 3 Zylinder und Quader aus Naturholz. Mit diesen können Gebäude oder andere Dinge gebaut werden. .

 

Ca. 30 Holzstäbe, die als Begrenzungen, Verbindungen, Stangen, Wege etc. verwendet werden können.

 

Ca. 30 Glasnuggets in den Farben Rot, Grün, Gelb, Blau. Sie können verschiedenste Dinge repräsentieren, werden aber vor allem stellvertretend für wertvolle Dinge eingesetzt.

 

Ca. 30 weisse Spielfiguren in zwei verschiedenen Ausführungen, um damit beide Geschlechter oder andere Unterscheidungsmerkmale darzustellen. Die weissen Unterlagsscheibchen dienen dazu, sie grösser zu machen oder spezielle Kennzeichnungen vorzunehmen. .

 

Ca. 60 Symbol-Rondellen, die bestimmte Bereiche markieren und hervorheben sollen. Während die weissen Rondellen eher Tätigkeiten symbolisieren, stellen die blauen konkrete Dinge dar.

 

Knetmasse in den Farben Rot, Grün, Gelb, Blau. Damit können Figuren verändert oder im Bedarfsfall sogar spezifisch hergestellt werden

 

10 Kleinteil-Paare bestehend aus

• Blume

• Krug

• Uhr

• Zeitung

• Kerze

• Cola-Flasche

• Bär

• Salz

• Radio

• Lastwagen

 

Ziele

Compad® soll die Freude am Lernen und die Schüleraktivitäten erhöhen sowie kreative Lernprozesse fördern, die Kommunikation zwischen den Lernenden verbessert sowie komplexe Zusammenhänge transparent gemacht werden. Compad® stellt ein Vehikel dar, das nach den Ansätzen Piagets hilft, Inhalte von Konkret zu Abstrakt zu transportieren. Dies ist vor allem auch in der Kommunikation zwischen den SuS wichtig, die sich so gegenseitig erklären können. Gerade auch in der Begabtenförderung kann beo-bachtet werden, dass das Material hilft, theoretische Konzepte, Planungen und Vorgehensweisen auf eine gemeinsame Ebene hinunterzubrechen und somit alle zu involvieren. Zudem fördert Compad® die sechs Metakompetenzen, auch universelle Kompetenzen genannt, für lebenslanges Lernen. Diese brauchen wir zur Bewältigung jeglicher Problemstellungen. Um solche zu lösen, brauchen wir die Distanz zu uns selber genau so wie jene zur Problemstellung und trotzdem gleichzeitig gute Kenntnis der eigenen Wirklichkeit.

 

 

Arbeitsweise

Compad® kann in Lerngruppen von vorzugsweise 3-5 Personen, aber auch in Einzelarbeiten oder 1:1- Situationen von Lernenden mit ihren Betreuenden, eingesetzt werden. Es wird darauf hingearbeitet, gemeinsam Modelle und Strukturen des Lerninhaltes auf den Tisch zu legen. Diese Darstellungen können so lange und so oft verändert werden, bis sie eine für die Beteiligten gemeinsame Wirklichkeit repräsentie-ren. Dies ist ganz wichtig: Das Compad®-Bild muss für alle daran Arbeitenden passen und nötigenfalls durch Hin- und Herschieben, Umbauen oder Neukonstruktion verändert werden, bis es „stimmig“ ist. Nur so kann sich die für den Lernerfolg notwendige Identifizierung einstellen. Die so entstandenen Modelle bringen einen besseren Überblick und sollen dadurch auch stoffliche Sicherheit vermitteln. Nach Bedarf können über diese dreidimensionalen Modelle mittels vorgegebener Piktogramme auf Kartonscheibchen auch zweidimensionale Symbole gelegt werden, die Abläufe, Schwerpunkte und offene Fragen hervorhe-ben, welche in der Folge mit der Lehrperson oder im Plenum geklärt werden können. Daraus können sub-stanzielle Fragen entstehen oder Aha- Erlebnisse hervorgerufen werden.

Anwendungsbereiche

In der Schule kann das Strukturlegematerial Compad® auf allen Stufen, klassen- und fächer-unabhängig eingesetzt werden. Es eignet sich in der heilpädagogischen Förderung genauso wie im Regelklassenunter-richt oder in der Begabungs- und Begabtenförderung. Sehr gute Erfahrungen bestehen neben der Erarbeitung und Vertiefung von Lernstoffen, der Prüfungsvorbereitung und Projektplanung auch in der Bear-beitung von Konfliktsituationen, in heiklen Elterngesprächen oder Teambesprechungen- einfach überall, wo es darum geht, eine gemeinsame Wirklichkeit aufzuzeigen und Veränderungen und Lösungen zu suchen. Zusammenhänge werden durch ihre dreidimensionale Ansicht erkennbar und sogar Zeitschienen mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegen nun sichtbar auf dem Tisch.

Bewertung

Im konventionellen Unterricht wird auch heute noch am Ende einer Lerneinheit eine Leistungsbewertung vorgenommen, deren Note dann zeigt, wie nah, oder eben auch weit, man von einer Maximalleistung entfernt ist. In diesem Fall ist es die Lehrperson, deren Wissen das Nonplusultra darstellt. Es ist offensichtlich, dass dieses System in der Arbeit mit Compad® nicht funktioniert. Eine Möglichkeit der Bewertung ist der Einsatz von Kompetenz- oder Kriterienrastern. Allerdings genügt es dann selbstverständlich nicht, nur eine Bestandesaufnahme, sprich Diagnose zu machen, sondern es muss im Dialog zwischen Lernenden und Lehrperson ein Weg mit den Stationen Diagnose -> Ziele -> Lernen -> Überprüfung -> Dokumentation -> Was ist mein nächstes Ziel? eingeschlagen werden.

Einbettung von Compad® ins 3-Ringe-Modell von Renzulli

 

In seinem Drei-Ringe-Modell erklärt Joseph Renzulli auf gut verständliche Art und Weise, wie Hochleistung zustande kommt, nämlich im harmonischen Zusammenspiel der drei Faktoren Engagement (Motivation), Kreativität und hohen Fähigkeiten. Hochleistung bezeichnet Renzulli als „creative productivity“ (vgl. Stedtnitz, 2008, S. 55), eine „eigenmotivierte, schöpferische, und qualitativ hoch stehende, grössere Arbeit in einer Domäne“.

 

 

Speziell bei diesem Modell ist, dass dabei nicht zwingend überragende intellektuelle Fähigkeiten als Bedingung für überdurchschnittliche Leistungen massgebend sind. Für den Schulerfolg sind hohe intellektuelle Fähigkeiten nicht zwingend, hier zählen eher Motivation und Wissen (vgl. a.a.O., S. 90).

 

Mit Compad kann den Kreisen Kreativität und Motivation sehr gut Rechnung getragen werden.

Lehrpläne und Konzepte fordern Kreativität im Unterricht und lassen im Gegenzug kaum noch Raum dafür. Entsprechend seiner etymologischen Bedeutung aus dem Lateinischen „creare“, was so viel wie „erzeugen, erschaffen“ bedeutet, ist Kreativität nicht einfach so zu verordnen, sondern braucht Zeit und Raum, Haltungen und Atmosphäre. Nicht desto trotz soll Kreativität vermittelt und geübt werden: Flexibilität und Originalität im Denken, Neugierde, Risikobereitschaft und Offenheit für neue Erfahrungen sollten im Rahmen des Regelklassenunterrichts gemäss Lehrplanvorgaben durchaus Raum bekommen. Spricht man über Kreativität gilt es vor allem die Aspekte von Kreativer Person Kreativem Prozess und Kreativem Produkt zu beachten. Mit Compad® kommen Fähigkeiten wie Visualisierungsvermögen, Offenheit für Neues, metaphorisches Denken, Durchhaltevermögen und ein Flair für Originalität und Eigenständigkeit besonders zum Tragen. Fach- (oder auf der Primarschule auch Basis-) Wissen wird frisch verknüpft, daraus entsteht ein neues Produkt => Compad®-Bild. Darin bekommen vorgegebene Materialien z.T. eine ganz neue Bedeutung zugewiesen, was ebenfalls einem kreativen Prozess entspricht.

 

„Das motivierte Handeln des Menschen wird in seiner Grundtendenz und in seiner elementaren

 

Struktur von zwei universellen Charakteristiken bestimmt:

 

1. dem Streben nach Wirksamkeit und

 

2. der Organisation von Zielengagement und Zieldistanzierung“ (Heckhausen, 2010, S. 1)

 

 

 

In der täglichen Unterrichtsbeobachtung lässt sich aber unschwer feststellen, dass nicht nur die Persönlichkeitsstruktur und die individuelle Disposition Einfluss auf die Motivation haben, sondern dass auch die Situation eine massgebliche Rolle darin spielt.

 

 

 

Je nach Anreiz, sei dies nun das Tun selbst, das erwartete Ergebnis oder Folgen daraus, verändert sie sich entsprechend. Bei einer hohen Situations-Ergebnis-Erwartung, wenn also die Situation auch ohne Handeln zum Ergebnis führt, ist der Handlungsanreiz entsprechend gering. Bei tiefer Situations-Ergebnis-Erwartung jedoch ist der Handlungsanreiz hoch, vor allem wenn zusätzlich hohe Ergebnis-Folge-Erwartungen bestehen.

 

 

 

Gemäss der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan ist die Lernmotivation abhängig davon

 

 

• wie sich Lernende als Auslösende ihres schulischen Tuns wahrnehmen

 

• wie sich Lernende als Person von ihrer Lehrperson akzeptiert fühlen

 

• wie häufig sie im Unterricht persönlichen Lernfortschritt (Erfolg) erkennen

 

• wie viel Wert auf kooperatives Arbeiten und soziale Zugehörigkeit gelegt wird

 

• wie gross ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten sind

 

 

 

Beim Arbeiten mit Compad® haben die SuS die Möglichkeit, ihren Fähigkeiten entsprechen zu arbeiten, sich als Teil einer Gruppe und des gemeinsamen, unmittelbar sichtbaren Erfolges zu erleben. Sie sehen ihren unmittelbaren Einfluss, ihre Wirksamkeit. Die Rolle der Lehrperson nimmt wenig Raum ein, jedoch wird den SuS viel Eigenverantwortung übertragen.

 

Zudem wirkt auch das Material vor allem auf jüngere SuS durch seine Vielseitigkeit und Farben sehr anregend und ansprechend.

Glustig auf mehr?

Für interessierte Einzelpersonen oder ganze Schulteams biete ich auch gerne Einführungs- und nach einer Erprobungsphase Vertiefungskurse zum Compadmaterial an. Kontaktieren Sie mich, damit wir gemeinsam herausfinden könnten, wie Compad ihrem Unterricht Wurzeln und Flügel verleiht und somit für Sie zu einem echten Mehrwert werden kann!

 

Wuzeln und Flügel